Es war eine spannende Geschichte, wer dieses Jahr nun Berliner Meister der Herren wird. Es kamen 3 Team in Frage, DRV Bund, Vattenfall und eben TSF Schöneberg. Nach der Hinrunde war TSF Herbstmeister, die im Spiel gegen DRV Bund die Nummer eins freiließen, dennoch aber mit 6 Leuten antraten und dadurch alle Doppel spielen konnten. Das Ergebnis war am Ende dennoch deutlich zugunsten TSF.

Das Rückspiel gewann dann Vattenfall in Bestbesetzung denkbar knapp mit 10:8 gegen eine ersatzgeschwächte Mannschaft von TSF, jedoch ging das Spiel gegen DRV Bund (Hinspiel 8:10) nun selbst ersatzgeschwächte deutlich verloren. DRV Bund ist frustriert zum Spiel gegen TSF angetreten und hat 0:10 verloren. Was war passiert?

DRV Bund hatte sich mächtig über das Hinspiel geärgert und einen Kommentar zum Spiel hinterlegt. Doch ein offizieller Protest wurde nicht fristgemäß eingereicht. Doch dann wurde im April 2018 vom Spielausschuss das Spiel mit 10:0 für DRV Bund umgewertet, wogegen TSF Schöneberg den Rechtsausschuss angerufen hat. Würde die Entscheidung zugunsten DRV Bund fallen, hätte DRV Bund am Saisonende 2 Minuspunkte und TSF Schöneberg 4 Minuspunkte. Damit wäre DRV Bund Berliner Meister gewesen,

Doch sowohl im Rechtsausschuss, also auch vom Berufungsausschuss wurde TSF Schöneberg Recht gegeben und das Hinspiel so gewertet, wie es gespielt wurde.

Begründung vom Berufungsausschuss:

§ 4, Abs. 2, Nr. 2.2 SpO besagt: „In den Doppeln können andere Stammspieler als in den Einzeln teilnehmen, vorausgesetzt, dass auch die entsprechende Anzahl von Einzelspielen durch Stammspieler ausgetragen wird.“

Für den Berufungsausschuss stellt sich die Frage:
Was bedeutet …“entsprechende Anzahl“…, worauf bezieht sich die Aussage „entsprechende Anzahl, welche Anzahl ist gemeint?
Diese Frage konnte letztendlich nicht geklärt werden und lässt viel Auslegungsspielraum. 1 Das zur Entscheidung stehende Spiel wurde bereits am 05.12.2017 ausgetragen. Alle Beteiligten (BSG TSF Schöneberg, BSG DRV Bund, Staffelleiter) gingen knapp 5 Monate davon aus, dass die Spielabwicklung/-Aufstellung korrekt war. Erst im April 2018 interpretierte die BSG DRV Bund diese Formulierung anders und zu ihren Gunsten. Es wurden also entgegen der Auffassung der BSG DRV Bund keine (neuen) Tatsachen bekannt, die eine neue Frist für einen Protest beginnen lassen würde, sondern die BSG DRV Bund interpretierte lediglich bereits offiziell bekannte Regelungen plötzlich anders. Der Protest wurde damit, wie bereits vom Rechtsausschuss beschieden, gem. § 3, Abs 8, Nr. 8.1 SpO nicht „unverzüglich“, sondern verspätet eingelegt.

Ob hier gem. § 4, Abs. 5 SpO der Verband/Staffelleiter „von Amts wegen“ hätte entscheiden müssen, sei dahingestellt. Da dies nicht passiert ist, ist das ein weiteres Indiz dafür, dass der zuständige Staffelleiter von einer regelkonformen Aufstellung ausgegangen ist.

In unserer Entscheidungsfindung hat auch §1 Abs. 1 der Spielordnung, in dem es unter anderem heisst…„Im Vordergrund steht insoweit nicht die sportliche Höchstleistung, sondern das sportlich und gesellschaftliche Miteinander.“, Berücksichtigung gefunden. Das soll jedoch keinesfalls ein Freifahrtschein sein. Entscheidend sind immer noch vorrangig die weiteren Regelungen der Spielordnung.
Jedoch ist die Formulierung in der SpO für diesen Fall nicht eindeutig.

Aufgrund der o. g. Gründe fällt unsere Entscheidung zugunsten der „Beklagten“ -BSG TSF Schöneberg- aus.

Mit sportlichen Grüßen

gezeichnet

Kai Ophoven, Heinz Aursch, Johannes Scheideler

AGrote, 29.07.2018